Wabi-Sabi: Designing for simplicity

Schönheit.

Meine Grundeinstellung zu Schönheit und Design habe ich vor Jahren aus dem sehr empfehlenswerten Buch von Leonard Koren Wabi-Sabi: For Artists, Designers, Poets & Philosophers übernommen. Manifestiert wird dies in dem Zitat:

“Pare down to the essence, but don’t remove the poetry. Keep things clean and unencumbered but don’t sterilize.”

Und in den letzten Monaten ist mir klar geworden, dass dies ohne absolute Liebe zur Sache nicht funktioniert. Sir Jony Ive hat das für Apple in einem Interview so zusammengefasst:

„Unser absolutes Ziel bei Apple besteht nicht darin, Geld zu verdienen. Das mag nicht ganz ernstgemeint klingen, aber es ist die Wahrheit. Unser Ziel und das, was uns begeistert, ist der Versuch, großartige Produkte hervorzubringen. Wir vertrauen darauf, dass die Menschen sie mögen, wenn sie uns gelingen. Und wenn wir operativ kompetent sind, erzielen wir damit Erlöse, aber unser Ziel ist eindeutig.“

Fokus und Umsetzung. Mein Motto für das nächste Jahr.

Weiterlesen bei A List Apart zu „Wabi-sabi and making websites and user interface design

Lifetime Countdown: Fokus auf das Wesentliche

Letzte Woche hörte ich beim Laufen die (übrigens sehr empfehlenswerte) Tim Ferriss Show mit Kevin Kelly. (iTunesBlog)
Kevin Kelly ist nicht nur der co-founder des Wired magazine und Bestsellerautor, er ist auch Mitbegründer der All Species Foundation und der Long Now Foundation. Erste katalogisiert alle lebenden Spezies. Für alle Sprachen versucht das die Long Now Foundation. Unglaublich interessant ihm zuzuhören.

Eine der Geschichten die er erzählt spielt während einer seiner Weltreisen in Jerusalem, an einem Ostersonntag. Kevin Kelly ist damals 29 Jahre  alt. Er erhält die religiöse Aufgabe so zu Leben, als seien die nächsten 6 Monate die letzten seines Lebens.

Wie anders seine Prioritäten sind, als man vielleicht annehmen könnte, ist schon interessant.

Doch es ist das Gedankenexperiment, was mich inspiriert und mir nicht mehr aus dem Kopf geht.

Daher habe ich heute losgelegt und mir meine eigene „Death Clock“ eingerichtet:
Für mich selber einfach das Durchschnittsalter eines Deutschen mit Akademiker-Eltern und Bauernhof-Kindheit hochzurechnen ist, für mein Gefühl, eine genauso unwahrscheinliches Todes-Datum, wie ein ein Wunschtag.

91 Jahre finde ich ein schönes Alter. Und es scheint mir ein gutes Alter zu sein, um zu sterben. Fast 91 zu werden reicht mir auch schon. Der 24. Juni 2079 ist mein Lieblingsdatum für den Tod.
Damit habe ich noch

64 Jahre, 9 Monte und 8 Tage

Mit der iPhone-App Dreamdays hab ich jetzt immer im Blick, wie viele Tage mir noch geschenkt sind. Das Motiviert mich unheimlich mögliche Projekte wirklich zu priorisieren und mit dieser ewigen Prokrastination aufzuhören.

Das wichtigste für mich ist, dass damit nicht nur die Karriere im Mittelpunkt steht, sondern Familie und Freunde, meine Gesundheit und Interesse an der Welt gleichermaßen.

Wenn ich diese Zeit, wie Stewart Brand, in 5 Jahresprojekte gliedre, dann kann ich noch 13 großartige Projekte umsetzen.

Ich meditiere also bin ich

Für mich haftete dem Meditieren ein esoterischer Hauch an. Selber meditieren? Undenkbar, da fehlt nur noch zu meinem indischen Guru zu pilgern.

Meine neue Offenheit der Welt und den Menschen gegenüber, das Maß an Dankbarkeit für mein Leben und mehr Gelassenheit – die verdanke ich Leo Babauta und seiner Anleitung zum Meditieren. Und dem Umstand, dass ich es ausprobiert habe.

Gerade häufen sich die Artikel zum Thema. Mein Freund Hendrik schreibt von seinen Erfahrungen und bei Buffer gab es gerade Studien über die Auswirkungen von Meditation.

Ich meditiere jeden Morgen und bin seitdem ein glücklicherer Mensch.

breath

Technische Hinweise entnimmt man wirklich am besten dem Artikel von Leo. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Was mir zu Anfang schwer- und aufgefallen ist:

Über den Frust nur schmunzeln
Übersehe ich eine Chance, mache einen Fehler oder wende Gelerntes nicht an, bin ich frustriert. Diese Frust ist alles andere als produktiv. John Wooden sagt dazu:

„Lass nicht zu, dass die Dinge, die Du nicht kannst, die beeinflussen die Du kannst.“

Im Augenblick leben, ohne den Druck ein abstraktes Ziel erreichen zu müssen, ohne mich über die Vergangenheit zu ärgern lässt mich produktiver sein und auf bessere Ideen kommen.
Durch das Meditieren bekommt man täglich den Anstoß, gelassen und mit einem Lächeln das eigene Unvermögen zu beobachten. Das Unvermögen sich nur auf das Ein- und Ausatmen zu konzentrieren.
Alle paar Sekunden driften die Gedanken ab, entstehen Bilder und steigen Wünsche auf – und das obwohl ich doch nur auf meinen Atmen achten will. Mich jetzt selber innerlich nicht auszupeitschen ist schwer: lächeln und wieder auf das Atmen konzentrieren.

Die Umgebung miteinbeziehen
Zuanfang habe ich den Fehler gemacht, mich über den langsamen Prozess des Runterkommen und die ewigen kleinen Störungen aus der Umgebung zu ärgern.
Hendrik riet mir, mich erstmal nur auf die Umgebung zu konzentrieren: was höre ich? wer ist im Haus schon wach? spüre ich die Fußleiste? rieche ich den frischen Morgen? Durch diesen aktiven Prozess fahren die Verstandesbilder runter, die Realität rückt in den Fokus und die Ruhe kommt ganz von alleine.

Meditieren beim Spazieren
Theoretisch kann man überall meditieren. Ich meditiere nach dem ich morgens ein paar Seiten gelesen habe.
Doch was meinen Blick auf die Welt sehr geschärft und für Neues geöffnet hat, ist das aktive Wahrnehmen mit allen Sinnesorganen währen ich zur U-Bahn laufe. Ähnlich wie der Prozess um vor dem Meditieren ruhig zu werden geht es darum den Asphalt zu spüren, den Wind, die Feuchtigkeit, welche Gerüche in der Luft liegen und wo die Autotüren zufallen. Wer sich dafür Zeit nimmt, wird schon bald eine veränderte Wahrnehmung feststellen können.

Wie sich oft in meinem Leben schon herausgestellt hat, geht es vor allem darum „für möglich zu halten“.
Halte einfach für möglich, dass diese 5-10 Minuten etwas in deinem Leben verändern und gib nicht vor zwei Wochen auf.

graceful degradation – Neujahrsvornahmen durchhalten

Einiges habe ich mir vorgenommen im neuen Jahr anders zu machen. Besser. Schöner. Mit mehr Sinn.
Dazu gehören die Klassiker: weniger TV schauen und dafür mehr lesen, mich gesünder ernähren und lieber mal selber kochen, neue Menschen kennenlernen und mehr Zeit mit Freunden verbringen.
Aus meinem Fitness Studio weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin, der für das neue Jahr neue Entschlüsse gefasst hat. Im ersten Quartal wird es sicher wieder voll sein und sich dann ganz langsam wieder leeren.
Wie ich mir neue Gewohnheiten aneigne, habe ich im letzten Jahr bereits aufgeschrieben. Wenn ich an einem Tag nicht stark genug bin, meine Vornahme in die Tat umzusetzen, hilft es mir, wenn ich zuvor über meine Fehlertoleranz nachgedacht habe.

»graceful degradation is the property that enables a system to continue operating properly in the event of the failure of some of its components.« Wikipedia

Eine Methode aus der Softwareentwicklung. Die Methodik hilft uns moderne Systeme zu programmieren, die auf jedem Smartphone laufen doch auch in den Hamburger Behörden auf einem alten Internet Explorer funktionieren. In letzterem sehen die Funktionen nicht mehr schön aus, doch die Datenein und -ausgabe funktioniert weiterhin.

Inspiriert von dieser Systematik habe ich versucht mein eigenen “fall back” System zu bauen, so dass ich meine Vornahmen für 2013 umsetze, wenn auch nicht immer schön

1. Design-Diversität
Du weißt, dass du kein TV schauen willst. Trotzdem lohnt es sich, den Mitbewohnern Bescheid zu sagen, einen Zettel an Notebook und TV zu pinnen, den Hintergrund des Smartphone entsprechend mit einem Banner anzupassen. Zum Beispiel mit der einfachen Fragen “Heute schon gelesen?”. Die Laufschuhe morgens schon rausstellen, das Sportzeug abends auf die Heizung legen, so dass es morgens schön warm ist – einfach so viele Möglichkeiten der Erinnerung zu schaffen, wie möglich.

2. Daten-Diversität
Statt zu lesen gibt es verschiedene alternative Tätigkeiten, von denen ich mich im Zweifelsfall versuche zu überzeugen: kochen, mit Freunden treffen und im Zweifelsfall schlafen. Diese und mehr Tätigkeiten habe ich aufgeschrieben und habe diese Liste jederzeit in Griffweite, als mögliche “fall back” Lösungen, wenn Lesen partout nicht klappen will.

3. Temporale Diversität
Alle fünf Minuten nochmal schauen, ob die Willenskraft in der Zeit nicht etwa gestiegen ist. Positive Momente sofort nutzen und die gewünschte Tätigkeit beginnen.
Das verstehe ich unter Temporaler Diversität.

4. Vermeidbare Fehler
Bei der Planung, neue Vornahmen im eigenen Leben zu implementieren, kennen viele von euch die vermeidbaren Fehler, die es zu verhindern gillt.
keine klare Beschreibung des Ziels
keine Wochen- und Tagesplanung mit definierten Zeitpunkten
nicht befolgen der Punkte 1-3
die neue Tätigkeit nicht sofort angefangen
zulassen von Ausnahmen

Diese Fehler sind fast alle im Bereich der Disziplin beheimatet. Das Ziel ist klar, doch mangelt an der Umsetzung.

5. Bekannte, nicht vermeidbare Fehler
Termine. Ihr kennt das.

6. Nicht antizipierbare Fehler

»[…] not even great talent and industry can ensure life success over adversity without opportunity.« Glen Elder, Professor für Soziologie und Psychologie an der University of North Carolina at Chapel Hill.

Und auch wenn die Vornahme als solche blöd war, ordne ich dies hier ein.
Ich lege jeweils einen Zeitpunkt fest, an welchem ich meine neue Tätigkeit betrachte, auf den Prüfstein stelle und verbessere. Das sollte aber keines Falls öfter als wöchentlich passieren und in objektiver Stimmung.

TV wird nicht mehr geschaut. Das steht fest. Mein System erlaubt mir statt in der Zeit nur zu lesen, selber kreativ zu werden und etwas zu schreiben (forward compatible), oder im Zweifelsfall zu schlafen (graceful degradation).