graceful degradation – Neujahrsvornahmen durchhalten

Einiges habe ich mir vorgenommen im neuen Jahr anders zu machen. Besser. Schöner. Mit mehr Sinn.
Dazu gehören die Klassiker: weniger TV schauen und dafür mehr lesen, mich gesünder ernähren und lieber mal selber kochen, neue Menschen kennenlernen und mehr Zeit mit Freunden verbringen.
Aus meinem Fitness Studio weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin, der für das neue Jahr neue Entschlüsse gefasst hat. Im ersten Quartal wird es sicher wieder voll sein und sich dann ganz langsam wieder leeren.
Wie ich mir neue Gewohnheiten aneigne, habe ich im letzten Jahr bereits aufgeschrieben. Wenn ich an einem Tag nicht stark genug bin, meine Vornahme in die Tat umzusetzen, hilft es mir, wenn ich zuvor über meine Fehlertoleranz nachgedacht habe.

»graceful degradation is the property that enables a system to continue operating properly in the event of the failure of some of its components.« Wikipedia

Eine Methode aus der Softwareentwicklung. Die Methodik hilft uns moderne Systeme zu programmieren, die auf jedem Smartphone laufen doch auch in den Hamburger Behörden auf einem alten Internet Explorer funktionieren. In letzterem sehen die Funktionen nicht mehr schön aus, doch die Datenein und -ausgabe funktioniert weiterhin.

Inspiriert von dieser Systematik habe ich versucht mein eigenen “fall back” System zu bauen, so dass ich meine Vornahmen für 2013 umsetze, wenn auch nicht immer schön

1. Design-Diversität
Du weißt, dass du kein TV schauen willst. Trotzdem lohnt es sich, den Mitbewohnern Bescheid zu sagen, einen Zettel an Notebook und TV zu pinnen, den Hintergrund des Smartphone entsprechend mit einem Banner anzupassen. Zum Beispiel mit der einfachen Fragen “Heute schon gelesen?”. Die Laufschuhe morgens schon rausstellen, das Sportzeug abends auf die Heizung legen, so dass es morgens schön warm ist – einfach so viele Möglichkeiten der Erinnerung zu schaffen, wie möglich.

2. Daten-Diversität
Statt zu lesen gibt es verschiedene alternative Tätigkeiten, von denen ich mich im Zweifelsfall versuche zu überzeugen: kochen, mit Freunden treffen und im Zweifelsfall schlafen. Diese und mehr Tätigkeiten habe ich aufgeschrieben und habe diese Liste jederzeit in Griffweite, als mögliche “fall back” Lösungen, wenn Lesen partout nicht klappen will.

3. Temporale Diversität
Alle fünf Minuten nochmal schauen, ob die Willenskraft in der Zeit nicht etwa gestiegen ist. Positive Momente sofort nutzen und die gewünschte Tätigkeit beginnen.
Das verstehe ich unter Temporaler Diversität.

4. Vermeidbare Fehler
Bei der Planung, neue Vornahmen im eigenen Leben zu implementieren, kennen viele von euch die vermeidbaren Fehler, die es zu verhindern gillt.
keine klare Beschreibung des Ziels
keine Wochen- und Tagesplanung mit definierten Zeitpunkten
nicht befolgen der Punkte 1-3
die neue Tätigkeit nicht sofort angefangen
zulassen von Ausnahmen

Diese Fehler sind fast alle im Bereich der Disziplin beheimatet. Das Ziel ist klar, doch mangelt an der Umsetzung.

5. Bekannte, nicht vermeidbare Fehler
Termine. Ihr kennt das.

6. Nicht antizipierbare Fehler

»[…] not even great talent and industry can ensure life success over adversity without opportunity.« Glen Elder, Professor für Soziologie und Psychologie an der University of North Carolina at Chapel Hill.

Und auch wenn die Vornahme als solche blöd war, ordne ich dies hier ein.
Ich lege jeweils einen Zeitpunkt fest, an welchem ich meine neue Tätigkeit betrachte, auf den Prüfstein stelle und verbessere. Das sollte aber keines Falls öfter als wöchentlich passieren und in objektiver Stimmung.

TV wird nicht mehr geschaut. Das steht fest. Mein System erlaubt mir statt in der Zeit nur zu lesen, selber kreativ zu werden und etwas zu schreiben (forward compatible), oder im Zweifelsfall zu schlafen (graceful degradation).

Autor: Benedikt Schaumann

Head of Digital Communication & Brand PR Nestlé Wagner

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